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"Da habe ich den Urlaub abgesagt"

29.08.2002 / LOKALAUSGABE / RHEINBERG

Mario Ludwig half Flutkatastrophen-Opfern im Müglitztal. Auch der DRK-Kreisverband kehrte zurück.

RHEINBERG. Die Helfer sind wieder zurück, müde und voller Eindrücke aus dem Katastrophengebiet in Ostdeutschland. Nicht nur Hilfsorganisationen wie der Kreisverband Niederrhein des Deutschen Roten Kreuzes, sondern auch Privatpersonen packten in den Gebieten rund um Elbe und Müglitz mit an. Der Rheinberger Mario Ludwig beispielsweise opferte seinen Urlaub, um gemeinsam mit zwei Freunden im Müglitztal helfen zu können.

Als gebürtiger Sachse, aufgewachsen in Pirna und Dresden, haben ihn die Fernsehbilder besonders berührt. "Als ich von der Flut gehört habe, habe ich meinen Urlaub abgesagt", erzählt er. Gemeinsam mit Olaf Fülling und Thomas Probst beschloss er, in die Region zu fahren und sich vor Ort einteilen zu lassen. "Da wurde uns dann geraten, direkt bei Privatpersonen nachzufragen, ob Hilfe bebraucht wird." Der Hintergrund: Versicherungsrechtliche Probleme machen es den Krisenstäben schwierig, private Helfer einfach einzuteilen.

Der Rheinberger Programmierer fuhr schließlich nach Schlottwitz im Müglitztal. "Das ist einer der Orte, die ähnlich stark betroffen sind wie zum Beispiel Grimma, aber nicht so in den Medien stehen." Umso dankbarer waren die Bewohner des Ortes, dass Helfer kamen. Einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen griffen die drei unter die Arme, beseitigten gemeinsam mit den Bewohnern und anderen Eingesetzten Schutt und Schrott. "Mit nur wenig technischen Mitteln", erläutert Ludwig. Gabelstabler und Caterpillar waren vorhanden, ansonsten war vor allem Muskelkraft bei den Aufräumarbeiten gefragt. Immerhin hatten die Flutwellen, bis zu vier Metern hoch, tonnenschwere Betonteile und Stahlträger mitgerissen. Zum Einsatz kam auch die private Ausrüstung, die der 38-jährige Globetrotter stets in seinem Auto hat.

Etliche andere Probleme, mit denen Helfer und Bewohner in den Überflutungsgebieten zu kämpfen haben, sind häufig kaum bekannt: In Schlottwitz beispielsweise fiel zunächst der Strom komplett aus. "Später sah man ständig irgendwo leichte Brände", erzählt Ludwig. Offene Kabel lagen in den nassen Gärten, auf Herden kokelte Schutt. Schwierig auch der Weg nach Schlottwitz: Nur dank seines Autos schaffte der Rheinberger den Weg über die eigentlich nicht mehr vorhandene Talstraße. Mittlerweile ist der Ort zwar wieder zugänglich, aber hermetisch abgeriegelt. Behörden und Bewohner wollen keine Katastrophentouristen in Schlottwitz sehen.

Die Dankbarkeit der Schlottwitzer könne er kaum in Worte fassen, sagt Mario Ludwig. Den Kontakt zu dem Unternehmen, in dem einst 45 Menschen arbeiteten, hält er natürlich aufrecht. Im Moment sammelt er Spenden, die werden dann dem Betriebsrat überwiesen, der schließlich entscheidet, wie das Geld eingesetzt wird.

Am Mittwochabend kehrte auch der DRK-Kreisverband Niederrhein zurück. "Sehr anstrengend", sei der Einsatz gewesen, erzählt Einsatzleiter Matthias Hangert. Erst am nächsten Tag habe er gemerkt, wie ihm die Zeit in Stendal in den Knochen stecke. Obwohl die Helfer nicht einmal mit dem Wasser direkt in Kontakt waren. In der Koordinierungsstelle in Stendal galt es, die Einsätze der anderen Helfer überhaupt erstmal zu organisieren.

Wie dankbar die Menschen über den Einsatz der DRKler waren, hat das Team auch auf der Rückfahrt erfahren. "Viele Leute haben die DRK-Fahrzeuge gesehen und gewunken."

DORIS GERLAND



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